Teilen und Tauschen

a) Der Unterschied

Ganz grundsätzlich gibt es nur zwei Formen von wirtschaftlichen Beziehungen: Teilen oder Tauschen. Menschen teilen, wenn sie im selben Boot sitzen, und sie tauschen, wenn sie in verschiedenen Booten sitzen.

Wenn mir klar ist, dass ich ohne die anderen nicht überleben werde, dann werde ich alles für sie tun so gut ich kann. Und weil das für alle gilt, gilt ein einfaches Gesetz: Je weniger ein jeder für sich selbst beansprucht von dem, was er zu tun und zu machen imstande ist, desto besser geht es allen. (Rudolf Steiner hat diesen Zusammenhang als soziales Hauptgesetz formuliert.)

Die logische Konsequenz ist das Teilen: Alle beteiligen sich nach besten Kräften im Rahmen ihrer Möglichkeiten an der Produktion und das Ergebnis wird unter allen den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend aufgeteilt.

Wo Menschen nicht oder nicht mehr unmittelbar aufeinander angewiesen sind, steht es ihnen frei miteinander zu tauschen. Tauschen meint hier etwas zu geben, das einem gehört, und dafür etwas zu bekommen, das subjektiv wertvoller ist als das Gegebene. Sonst gebe es dafür keinen Grund.

Beim Tauschen geht es daher immer um den eigenen Vorteil, beim Teilen immer um den Vorteil aller. Diese Aussage enthält keine moralische Wertung. Beides ist gut, wenn es den realen Lebensverhältnissen entspricht. Zu bedenken ist nur, dass es dort, wo Menschen Tauschbeziehungen eingehen, auch Menschen geben muss, die bereit sind mit ihnen zu teilen. Das Tauschen mag einige Zeit gutgehen, doch irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr funktioniert, spätestens dann nicht, wenn man nichts mehr anzubieten hat. Und dieser Fall kann aus den verschiedensten persönlichen Gründen leicht und rasch eintreten.

Aber auch dass sich die Welt verändert hat, kann ein Grund sein warum das Tauschen nicht mehr funktioniert. Solange sie aus Wirtschaftseinheiten bestand, die scheinbar unabhängig von einander existieren konnten, wie das vor der industriellen Revolution der Fall war, wurde im Inneren geteilt und im Außen getauscht. Wenn sich jedoch die Zeiten ändern und die Unabhängigkeit dieser Einheiten verloren geht, weil der Grad der Vernetzung so hoch geworden ist, wie er heute ist, dann wäre es an der Zeit das Tauschen aufzugeben und auf einer höheren Ebene der sozialen Organisation wieder mit dem Teilen anzufangen.

Genau das ist die Intention des Dorfgartens, nämlich den Vorteil aller über den eigenen Vorteil zu stellen, weil das Umgekehrte schwer mit anzusehen ist.

b) Der Traum von der Unabhängigkeit

Zu Tauschen, wo Teilen angebracht wäre, bedeutet, dass Menschen einander als Fremde wahrnehmen und auch so behandeln, obwohl sie eine Lebens- und Überlebensgemeinschaft bilden. Diese Lebens- und Überlebensgemeinschaft ist heute die ganze Welt, auch wenn sich viele noch weigern, das zu sehen. War sie schon immer. Nur nicht so offensichtlich. Denn tatsächlich gibt es keine Unabhängigkeit, die für so viele der große Traum ist. Niemand von uns könnte allein leben und auch nicht ohne den Baum vor dem Fenster, der den Sauerstoff spendet, oder ohne die Sonne oder den Regen.

Im Bewusstsein dieser grundsätzlichen Abhängigkeit, können wir im Dorfgarten danach handeln.

c) Bewusste Verbundenheit

Die zentrale Voraussetzung dafür ist die Einsicht, dass wir den Traum von der Unabhängigkeit dem Geld verdanken. Nur Geld, als universales Tauschmittel, kann uns das falsche Gefühl vermitteln, unabhängig zu sein. Das erklärt nicht nur die Besessenheit, mit der die meisten von uns es für erstrebenswert halten, sondern auch das Absurde in unserer Welt. Dass Menschen bereit sind dafür Kriege anzufangen und andere, schlimmer noch, bereit sind in diese zu ziehen. Oder dass Millionen Menschen hungern, nur weil sie sich Essen nicht leisten können, obwohl es überall genug davon gibt.

Im Dorfgarten ändert sich der Begriff und der Gebrauch von Geld grundlegend. Es hat keinen eigenen Wert mehr. Das Einzige, wozu es dient, ist die Organisation der Produktion und des Konsums, um allen Bedarf aller bestmöglich zu decken. Das ist im Prinzip nicht mehr eine Frage des vorhandenen Geldes, sondern einzig und allein der vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten. Und weil das Geld ihn nicht mehr verhindert, führt so das Wissen um die Verbundenheit zu echtem Reichtum innen und außen.

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